Urheberrecht

Wann ist etwas urheberrechtlich geschützt?

Urheberrechtlich geschützt, vgl. § 2 UrhG, sind u.a.:

  • Sprachwerke (z.B. Bücher, Fachartikel, Zeitungsartikel, Reden) u. Computerprogramme,
  • Werke der angewandten Kunst (z.B. Logos, Designgegenstände),
  • Musikwerke,
  • Lichtbildwerke (Fotos),
  • Filmwerke (z.B. Videos, Lehrfilme) und
  • Darstellungen wissenschaftlicher und technischer Art,

sofern diese eine bestimmte Schöpfungshöhe, d.h. eine gewisse Originalität bzw. Gestaltungshöhe, aufweisen.

Für wissenschaftliche Fachliteratur, umfangreichere wissenschaftliche Schaubilder oder auch Illustrationen ist das regelmäßig anzunehmen.

Hinweis: Einzelne Daten/Erkenntnisse an sich unterliegen nicht dem Urheberrechtsschutz. Allenfalls kann die Sammlung solcher Daten als Datenbank geschützt und eine Nutzung insoweit ggf. unzulässig sein.

Der Urheberrechtsschutz besteht bis 70 Jahre nach dem Tod der/des Urhebers/-in.

Für einfache Fotos (Lichtbilder) und Videos (sog. Laufbilder) gibt es Spezialregelungen in § 72 UrhG und § 95 UrhG, der Schutz besteht danach bis fünfzig Jahre nach dem Erscheinen des Lichtbildes bzw. Laufbildes bzw. erster erlaubten öffentliche Wiedergabe oder der Herstellung, wenn das Lichtbild/Laufbild innerhalb dieser Frist nicht erschienen oder erlaubterweise öffentlich wiedergegeben worden ist.

Es gibt Spezialregelungen für:

  • Datenbankwerke (z.B. medizinisches Lexikon, Gedichtetitelliste; Schutzdauer: 15 Jahre nach Veröffentlichung bzw. Herstellung),
  • Sammelwerke (z.B. Seminarunterlagen, bestehend aus verschiedenen Einzelwerken),
  • Computerprogramme (Schutzdauer: bis 70 Jahre nach dem Tod des/der Urhebers/-in),
  • wissenschaftliche Ausgaben (Schutzdauer: 25 Jahre nach Erscheinen bzw. Herstellung),
  • nachgelassene Werke (Schutzdauer: 25 Jahre nach Erscheinen bzw. erster öffentlicher Wiedergabe)

sowie sog. Leistungsschutzrechte von:

  • ausübenden Künstler*innen,
  • Tonträgerhersteller*innen,
  • Sendeunternehmen,
  • Datenbankhersteller*innen,
  • Presseverleger*innen und
  • Filmproduzent*innen. 

Welche fremden Inhalte darf ich im Rahmen der digitalen Lehre nutzen?

  • Inhalte, deren Nutzung speziell zu Lehrzwecken unter den Voraussetzungen der Erlaubnisnorm des § 60 a UrhG gestattet ist (z.B. 15% von Büchern, einzelne Fotos/Abbildungen, einzelne Beiträge aus wissenschaftlichen Zeitschriften etc., Details dazu: siehe Schaubild
  • gemeinfreie Inhalte, d.h. solche, bei denen der Urheberrechtsschutz abgelaufen ist bzw. solche, die gezielt in die sog. Public Domain entlassen wurden (z.B. unter der Lizenz CC0)
  • Inhalte, die keine Schöpfungshöhe aufweisen (z.B. eine einfache Strichmännchenzeichnung oder ein sehr einfaches Säulendiagramm),

  • Inhalte, die im Rahmen eines Zitats (vgl. § 51 UrhG) genutzt werden dürfen; Details siehe unten (4.).

Herunterladbares Schaubild in Tabellenform, aufgeschlüsselt nach Art und Umfang der Materialien und Medien:



Was ist ein rechtlich zulässiges Zitat?

Nutzungen zu Zitatzwecken sind im Gegensatz zur Nutzungserlaubnis gem. § 60 a UrhG nicht auf Nutzungen in Unterricht und Lehre beschränkt. Auf das Zitatrecht kann sich jede*r berufen. Zitate kann es in verschiedenen Formen geben: Text-, Bild-, Film- oder auch z.B. Musikzitate. Geregelt ist dies in § 51 UrhG.


Wichtig sind fünf Anforderungen an ein rechtlich zulässiges Zitat: 

  • Veröffentlichtes Werk:
    Das Werk, aus dem zitiert wird, muss bereits veröffentlicht sein. Ist das nicht der Fall, ist die Zustimmung zur Nutzung beim/bei der Urheber/-in einzuholen.
  • Zitatzweck:
    Es muss ein Zitatzweck vorliegen. Dieser kann darin liegen, dass das fremde Werk als Beleg, Beispiel oder zur Erläuterung der eigenen Ausführungen angeführt wird. Ideal ist eine konkrete Befassung mit dem zitierten Material. (Eine Wiedergabe fremder Werke zur bloßen Illustration oder Ausschmückung eigener Ausführungen ist nicht zulässig.)
  • Urheberrechtlicher Schutz der eigenen Ausführungen:
    Das zitierende Werk muss urheberrechtlich geschützt sein. D.h. der/die Zitierende muss sich konkret inhaltlich mit dem Zitierten befassen. Dies wird regelmäßig in Texten der Fall sein, ist aber auch bei Bildern, in Videos oder musikalischen Werken denkbar.

  • Quellenangabe/angemessener Umfang:
    Das fremde Werk ist im Zuge des Zitats zu kennzeichnen, darf keine Veränderungen aufweisen, und die Wiedergabe muss vom Umfang her verhältnismäßig sein. Je nach den Umständen des Einzelfalles ist es zulässig bzw. notwendig, lediglich Ausschnitte zu nutzen; bei Fotos, Abbildungen, kurzen Gedichten etc. wird regelmäßig die vollständige Wiedergabe zulässig sein, bei Videos je nach Gesamtlänge eher kürzere Ausschnitte. 
  • Quellenangabe:
    Sofern eine Quelle genannt ist, hat beim Zitat eine Quellenangabe zu erfolgen. Bei der Vervielfältigung ganzer Sprachwerke oder ganzer Werke der Musik ist neben dem Urheber auch der Verlag anzugeben, in dem das Werk erschienen ist. Außerdem ist kenntlich zu machen, ob am Werk Kürzungen oder andere Änderungen vorgenommen wurden.


Weitere Informationen:
https://www.mmkh.de/fileadmin/dokumente/Publikationen/Leitfaden_Rechtsfragen_Digitalisierung_in_der_Lehre_2017.pdf
(S. 48 ff)

Wo liegen die Rechte im Hochschulbereich?

  • Professor*innen > bei diesen selbst (Wissenschaftsfreiheit) 

  • Wissenschaftliche Mitarbeiter*innen > bei der Hochschule (sofern im Rahmen der beauftragten Tätigkeit) kraft Gesetzes (§ 43 UrhG) bzw. ggf. aufgrund des Arbeitsvertrags) (ggf. Individualvereinbarungen beachten) 

  • Sonstige Angestellte der Hochschule > bei der Hochschule (sofern im Rahmen der beauftragten Tätigkeit) kraft Gesetzes (§ 43 UrhG) bzw. ggf. aufgrund des Arbeitsvertrags) 

  • Studentische Hilfskräfte > bei der Hochschule (sofern ein Werk im Rahmen der beauftragten Tätigkeit entstanden ist kraft Gesetzes (§ 43 UrhG) bzw. ggf. aufgrund des Arbeitsvertrags)

  • Studierende > bei diesen selbst

Inwieweit darf ich bestehende Werke (z.B. Schaubilder) für eigene Zwecke abgewandelt nutzen?​​ ​​

Im Rahmen der Lehre kann es vorkommen, dass Sie vorhandene Werke, z.B. ein Schaubild aus einem Lehrbuch, an dem Sie nicht die Rechte haben, für eigene Zwecke abwandeln und den Studierenden zur Verfügung stellen möchten.

Bei sehr einfach gestalteten Darstellungen kann dies zulässig sein, wenn diese keine sog. Schöpfungshöhe aufweisen.

Geschützt sein kann immer nur die grafische Aufbereitung an sich; die in Schaubildern vorhandenen Daten hingegen unterliegen nicht dem Urheberrecht. Bei einfachen Säulendiagrammen spricht viel dafür, dass diese mangels Gestaltungshöhe nicht dem Urheberrechtsschutz unterfallen.

Je aufwendiger und individueller die Gestaltung aber ist, desto eher handelt es sich um ein geschütztes Werk. So kann eine bestimmte Form bzw. Art der Darstellung als Werk der angewandten Kunst geschützt sein, z.B. bei Schaubildern zu Wirtschaftsdaten (Infografiken etc.), wenn die besondere Form der grafischen Aufbereitung eigene prägende und individuelle Züge hat.

Eine Abwandlung eines Originals könnte dann eine sog. "zustimmungspflichtige Bearbeitung" i.S.v. § 23 UrhG sein.  Das bedeutet, dass die Veröffentlichung der Abwandlung (z.B. auch im Intranet der Hochschule), dann grundsätzlich nur mit Zustimmung des Rechteinhabers/der Rechteinhaberin zulässig wäre.

Wenn man sich aber in der Abwandlung weit vom Original entfernt, kann darin eine sog. "freie Benutzung" im Sinne von § 24 UrhG liegen, deren Veröffentlichung nicht der Zustimmung bedarf.

Zur Frage, inwieweit (Info-)Grafiken abzuändern sind, damit es nicht mehr der Zustimmung bedarf, gibt es keine feste Richtschnur/Vorgabe, insb. nicht hinsichtlich des Umfangs der notwendigen Veränderungen. Die Bewertung ist immer einzelfallabhängig.

(Stark) abgewandelte Fassungen können zumeist genutzt werden, wenn die eigene Leistung überwiegt (vorausgesetzt die Quelle für die in der Grafik verwendeten Daten wird - zwecks Überprüfbarkeit - angegeben).

Am besten ist es immer, Gestaltungen in einem möglichst eigenen Stil zu kreieren, so dass nicht sofort eine Assoziation mit dem Original hervorgerufen wird. Vorgefundenes kann man durchaus abwandeln, muss sich grafisch aber weit vom Original entfernen, damit eine sog. (zulässige) "freie Benutzung" vorliegt.

Wichtig: Man darf sich anregen oder inspirieren lassen, aber die Grundzüge des Originals müssen verblassen und das Neue muss eine eigene Schöpfung/Gestaltung sein, die eigene prägende Züge hat.

 

(Hinweis: Daten bzw. Informationen können allenfalls als Datensammlungen/Datenbanken geschützt sein. Es kann dann der Aufwand für die Ansammlung und Anordnung der Daten (Recherche und sinnvolle Aufbereitung nach bestimmten Kriterien), also die dahin gehende Investition, die nach dem Urheberrecht schützenswerte Leistung sein).


Weiterführende Beiträge zur Thematik (im Zusammenhang mit freien Lizenzen):

(irights)

Welche hilfreichen Quellen gibt es, die mir bei Rechtsfragen zur digitalen Lehre weiterhelfen?

 
Leitfäden

Blogbeitrag

Erklärvideos

Sonstige Medien



Last modified: Wednesday, 5 August 2020, 8:38 AM