Handbuch für Lehrende

8. Hinweise zum geschlechtergerechten Formulieren

Grundsätze zum geschlechtergerechten Formulieren

Die Hochschule hat es sich zum Ziel gesetzt, in allen Arten von Texten und Formularen eine geschlechtergerechte Schreibweise zu verfolgen.1 Wir möchten damit alle Personen wertschätzend ansprechen und sicherstellen, dass keine Personengruppe sprachlich unsichtbar wird. Sprache trägt auf diese Weise dazu bei, Diskriminierung abzubauen, Fremdzuschreibungen zu reduzieren und insbesondere gesellschaftlich marginalisierte Gruppen auf der Schriftebene anzuerkennen.

Das Dokument inklusive Fußnoten, dem dieser Abschnitt zu Grunde liegt, können Sie sich hier als vollschriftliches PDF herunterladen.

Zwei Wege geschlechtergerecht zu formulieren: Sichtbarmachen und Neutralisieren

Zwei Varianten des geschlechtergerechten Formulierens werden im Folgenden empfohlen, die unterschiedliche Auswirkungen auf die Wahrnehmung von geschlechtlicher Vielfalt haben. Vergegenwärtigen Sie sich in der Umsetzungspraxis am besten – abhängig von Inhalt oder Textsorte – welche Auswirkungen die eine oder Variante in ihrem Kontext hat. Grundsätzlich sind diese auch kombinierbar.



1. Neutralisieren

Bei der Verwendung von geschlechtsneutralen Formulierungen wird die Aufmerksamkeit weg vom Geschlecht der betreffenden Personen und beispielsweise hin zum Funktions- bzw. Wirkungskreis gelenkt.

Personenbezeichnungen



Wortzusammensetzungen

Wortzusammensetzungen mit „–person, –assistenz, -kraft“ bieten sich als geschlechts- neutrale Formulierungen an, z.B.:



Funktionsbezeichnungen

Mit der Nennung von Institutions-, Kollektiv- und Funktionsbezeichnungen kann ebenfalls geschlechtsneutral formuliert werden, z.B.:


Hier wird die Funktion oder das Amt selbst bezeichnet und nicht die Person, die eine Funktion oder ein Amt bekleidet.


Beispiele für Umformulierungen in Formularen


Übereinstimmungen

Sofern bekannt/erfragt, muss das Geschlecht immer mit den gemeinten Personen übereinstimmen, z.B.:



Ist die Personengruppe geschlechtlich gemischt, die geschlechtliche Identifizierung einer Person unbekannt/unsicher oder verortet sich eine Person nicht geschlechterbinär ohne Angabe von Pronomen, kann die Variante Neutralisieren (oder wie weiter unten ausgeführt der Asterisk) genutzt werden z.B.:



2. Geschlechtervielfalt sichtbar machen mit Asterisk (*)

Um Geschlechtervielfalt sichtbar zu machen oder um auf Geschlechterungleichheiten hinzuweisen, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Die HAW Hamburg empfiehlt die Verwendung des Asterisk, auch Gender Stern (*) genannt.

Der Asterisk (*) steht als Platzhalter für eine beliebige Anzahl und Kombination von Buchstaben. In Hinblick auf geschlechtergerechte Sprache symbolisiert er auch Raum für Personen, die sich in einem zweigeschlechtlichen System von Mann und Frau nicht wiederfinden.

Im Gegensatz zum generischen Maskulinum, das alle Personengruppen unter dem männlichen Ausdruck einschließt und verschwinden lässt, können hier auch mehr als zwei Geschlechter adressiert werden. Diese Verwendung wird ausdrücklich anstelle der bisher empfohlenen Nennung von zwei Geschlechtern (Kolleginnen und Kollegen) angeraten.

Das Sichtbarmachen von Geschlechtervielfalt kann beispielsweise in Berufsgruppen oder Studienfächern relevant sein, wo es eine vertikale oder horizontale Segregation nach Geschlecht gibt und ein Geschlecht unterrepräsentiert ist. Beispielsweise wenn im MINT-Bereich Frauen, Transpersonen, nicht-binäre Menschen, etc. durch die Verwendung des Gender Sterns (*) in Beschreibungen von Studiengängen oder Stellenanzeigen offen adressiert werden.

Beispiele:



3. Hinweise für die Anrede im E-Mail- bzw. Schriftverkehr

Anrede

Zur Begrüßung im Schriftverkehr werden geschlechterumfassende oder -neutrale Formulierungen immer geläufiger. Die Anrede »Frau« oder »Herr« bei der Ansprache einer Person entfällt dabei in der Regel; stattdessen wird der Vor- und Nachname verwendet.



Sollte die angesprochene Person bekannt gegeben haben, wie sie angesprochen werden möchte, so kann sie mit der Geschlechtsbezeichnung „Frau“ bzw. „Herr“ oder (von ihr frei gewählter Anrede) angeschrieben werden.

Formulare / Website / Intranet

Es werden folgende Varianten empfohlen:

  • Streichung des Anredefeldes
  • Falls es für personalrechtliche Belange erforderlich ist, kann ein Feld zur Selbstzuschreibung von Geschlecht bzw. die Namensnennung eingefügt werden


    Anredeabfrage im Drop Down Menü z.B. mit folgenden Auswahloptionen:
    „bitte wählen Sie“


Titel

Bei Titelabkürzungen wie Prof. und Dr. denken viele eher an Männer, auch wenn eigentlich alle Geschlechter gemeint sind. Um Frauen explizit sichtbar zu machen, verwenden einige daher die hochgestellte Endung „in“ hinter der Abkürzung des Titels, z.B.:




E-Mail-Signatur

Da wir nicht immer anhand des Vornamens auf das Geschlecht einer Person schließen können, ist es sinnvoll, in der eigenen E-Mail-Signatur die bevorzugten Pronomen (incl. Possessivpronomen/Artikel) sowie Funktionsbezeichnung und Anrede zu nennen.

Auch in der internationalen Zusammenarbeit sind Vornamen den Beteiligten unterschiedlich geläufig. Es bietet sich an, das bevorzugte Pronomen und damit einen Hinweis auf die eigene Geschlechtsidentität in der eigenen E-Mail-Signatur anzuführen, z.B.:




Personen, die sich jenseits der Zweigeschlechtlichkeit verorten, bietet die E-Mail-Signatur eine Möglichkeit, andere über ihr Wunschpronomen in Kenntnis zu setzen.

Anstatt eines Pronomens kann in der eigenen E-Mail-Signatur angegeben werden, dass der Name wiederholt werden soll. Die Anrede ist entsprechend geschlechtsneutral zu formulieren. Die Funktionsbezeichnung sollte entsprechend der Signatur verwendet werden oder falls keine angegeben ist, ebenfalls geschlechtsneutral formuliert werden: