Handbuch für Lehrende

6. Hinweise zur Erstellung barrierefreier Inhalt in EMIL


Das Arbeiten mit der Online-Lernplattform der HAW „EMIL“, u.a. auch in Form von E-Lectures als Selbstlernangeboten für Studierende, kann insbesondere den Studierenden mit Behinderung oder chronischer Erkrankung zu Gute kommen, da es ihnen ermöglicht, die Lehreinheiten in ihrem eigenen Tempo vorzubereiten bzw. nachzuarbeiten. Allerdings sollten Sie dabei bedenken, dass Studierende mit Beeinträchtigungen diese Angebote nur dann uneingeschränkt und selbstständig nutzen können, wenn sie barrierefrei gestaltet sind.

Dieses Kapitel wurde leicht verändert entnommen aus: "Menschen mit Behinderung oder chronischer Erkrankung ein Studium ermöglichen. Ein Leitfaden zur Gestaltung barrierefreier Lehre für Dozentinnen und Dozenten an der HAW Hamburg." (Kapitel 4.6 und 4.7)

Barrierefreie Gestaltung von Dokumenten: Welche Barrieren können auftreten?


Viele von Ihnen erstellen Ihre vorlesungs- oder seminarbegleitenden Dokumente, z.B. Skripte, Präsentationen oder Literaturlisten, in gängigen Textverarbeitungs- programmen wie MS Word oder mithilfe von Präsentationssoftware wie MS PowerPoint. Oft werden den Studierenden diese Dokumente dann auf den entsprechenden Online-Lernplattformen zur Verfügung gestellt. Dabei laden Sie die Dateien entweder direkt in diesen Formaten hoch oder erstellen daraus zuvor eine Datei im sogenannten Portable-Document-Format (PDF). Für Studierende mit Beeinträchtigung, insbesondere aber für die mit Sehbeeinträchtigungen, können diese Dateien zu Barrieren werden. Die betroffenen Studierenden lassen sie sich meist mithilfe einer Sprachausgabesoftware vorlesen oder vergrößern sie mit einer entsprechenden Bildvergrößerungssoftware.


Folgende Barrieren können in solchen Dokumenten auftreten:

Rein grafische Dokumente

Ein Extremfall sind rein grafische Dokumente. Sie enthalten keinen Text, sondern bestehen lediglich aus einem oder mehreren Bildern, was oft bei gescannten (Text-) Dokumenten der Fall ist, die nicht direkt mit einer Texterkennungssoftware bearbeitet wurden. Eine Sprachausgabesoftware arbeitet textorientiert und kann mit diesen Dateien deshalb nichts anfangen. Sie liest dem/der Nutzer/in der Software lediglich „Grafik“ vor. Der Textinhalt ist für viele sehbeeinträchtigte Studierende damit nicht zugänglich.

Dokumente ohne Struktur

Textdokumente, die nicht durch semantische Informationen wie Überschriften, Absätze und Listen strukturiert sind, sind für eine Vorlesesoftware ebenfalls problematisch. In diesem Fall erkennt sie nur einen einzigen, zusammenhängenden Text ohne sinnvolle Einheiten. Betroffene Studierende mit Sehbeeinträchtigung können mit diesem Dokument nicht oder nur sehr mühsam arbeiten, da eine gezielte Navigation innerhalb des Dokuments nicht möglich ist. Gleiches gilt für Textdokumente ohne Inhaltsverzeichnis und für PDF-Dokumente ohne Lesezeichen und sogenannte Tags (logische Strukturinformationen).

Nicht-lineare Dokumente

Sollte Ihr (Text-)Dokument mehrspaltig sein oder viele Bilder, Grafiken oder Listen enthalten, kann dies dazu führen, dass die Linearität des Textflusses gestört wird. Ein Sprachausgabeprogramm liest die einzelnen Textabschnitte dann möglicherweise in einer völlig veränderten Reihenfolge vor und die Inhalte des Dokuments erschließen sich den betroffenen Studierenden nicht oder nur sehr schwer.

Bilder, Grafiken, eingebundene Audio- und Videodateien ohne Alternativtexte

In das Dokument eingefügte Bilder, Grafiken, Audio- und Videodateien kann ein Sprachausgabeprogramm nicht wiedergeben, sofern diese nicht mit beschreibenden Alternativtexten versehen sind. In diesem Fall entgehen Studierenden mit Sehbeeinträchtigung die visuell vermittelten Inhalte.

Dokumente mit fehlerhaften Sprachkennzeichnungen

Für jedes (Text-)Dokument lässt sich in den Dokument-Eigenschaften die Standardsprache festlegen, auf die ein Sprachausgabeprogramm bei der Wiedergabe des Textes zurückgreift. Ist die Standardsprache für ein Dokument nicht oder nicht richtig festgelegt oder fehlt die Markierung von Sprachwechseln im Text selbst, so führt dies dazu, dass eine Sprachausgabesoftware den Inhalt des Dokuments phonetisch nicht korrekt umsetzt: Zum Beispiel ist es möglich, dass ein deutscher Text auf der Grundlage englischer Ausspracheregeln wiedergegeben und damit völlig unverständlich wird.

Dokumente mit unvorteilhafter visueller Gestaltung

Eine zu geringe Schriftgröße und/oder die kontrastarme Darstellung von Schrift und grafischen Inhalten stellen für Studierende mit noch vorhandenem Restsehvermögen Barrieren dar.

PDF-Dokumente ohne angemessene Vergrößerungsmöglichkeiten

Studierende mit noch vorhandenem Restsehvermögen passen die Schriftgröße der von Ihnen zur Verfügung gestellten PDF-Dokumente in aller Regel an ihre Bedürfnisse an. Durch die starke Vergrößerung der Schrift muss der/die betroffene Studierende, wenn die sogenannte Umfließen-Funktion nicht aktiviert ist, jede einzelne Zeile entlang nach rechts scrollen, wodurch die Arbeit mit dem Text für ihn sehr umständlich wird. Die Umfließen-Funktion bewirkt, dass sich bei einer stark vergrößerten Schrift der Zeilenumbruch so verschiebt, dass ein Scrollen nach rechts nicht mehr erforderlich ist.

Wie werden barrierefreie Dokumente erstellt?


Eine detaillierte Anleitung zu einzelnen Arbeitsschritten kann an dieser Stelle nicht gegeben werden. An der Liste der am häufigsten auftretenden Barrieren können Sie in Grundzügen erkennen, dass sich bereits bei der Erstellung der Word- und PowerPoint-Dokumente viele dieser Barrieren vermeiden lassen, indem Sie die Dokumente beispielsweise durch die Verwendung von Formatvorlagen strukturieren, Bilder, Grafiken und Multimediainhalte mit beschreibenden Alternativtexten belegen und darauf achten, dass die Sprachkennzeichnungen korrekt sind.

Sollten Sie in einem zweiten Schritt diese Quelldokumente in ein PDF konvertieren wollen, nutzen Sie dazu am besten das Werkzeug Adobe Acrobat Pro, da dieses die bestmöglichen Ergebnisse bei der Erzeugung eines barrierefreien PDFs erzielen kann und im Idealfall ihre Vorarbeiten übernimmt.
Ein weiteres gutes Konvertierungsprogramm ist das (noch) kostenlose axesPDF (www.axespdf.com).
Mit dem bereits barrierefrei gestalteten Word- bzw. PowerPoint-Dokument als Grundlage können Sie den Nachbearbeitungsaufwand zur Erstellung eines wirklich barrierefrei nutzbaren PDF- Dokumentes sehr gering halten. Im Idealfall besteht die Nachbearbeitung lediglich darin, zu prüfen, ob die im Quelldokument angelegten Strukturinformationen, die Leserichtung und -reihenfolge, Lesezeichen und z.B. Sprachkennzeichnungen usw. korrekt übernommen wurden, um gegebenenfalls kleinere Korrekturen vorzunehmen. Diese Prüfung kann teilweise automatisiert mit entsprechenden Prüfwerkzeugen in Adobe Acrobat Pro durchgeführt werden.

Weiterhin ein Hinweis: EMIL/Moodle stellt im Texteditor bereits eine kleine Palette an Barrierefreiheits-Werkzeugen bereit, die Ihnen helfen kann, Ihre Texte barrierefrei(er) zu gestalten.

Wenn Sie Ihre Dokumente barrierefrei gestalten, unterstützen Sie damit nicht nur die Studierenden mit Beeinträchtigung, sondern schaffen Mehrwerte für alle.
 Von einer besseren Navigierbarkeit innerhalb der Dokumente und einer kontrastreichen, ansprechenden Visualisierung profitieren alle Nutzer/innen, letztlich auch Sie selbst.

Ein netter Nebeneffekt ist außerdem die Tatsache, dass Sie Ihre Dokumente, sollten Sie diese außerhalb EMILs veröffentlichen, durch die barrierefreie Gestaltung für Suchmaschinen optimieren.

Weitere Ressourcen im Web


Unter folgenden Links erhalten Sie Informationen zur barrierefreien Gestaltung digitaler Angebote (z.B. Leitfäden zu Powerpoint, Word, Office) sowie Informationen zu aktuellen Gesetzen und Richtlinien: